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Negative Preise Häufig gestellte Fragen

Inhalt

 

Wie sie entstehen, was sie bedeuten

 

Was sind negative Preise und wie entstehen sie?

Ein negativer Preis ist ein Preissignal auf dem Strommarkt, welches auftritt, wenn eine hohe unflexible Stromerzeugung auf eine schwache Nachfrage trifft. Unflexible Stromquellen können nicht kurzfristig und ohne hohen finanziellen Aufwand herunter- und wieder hochgefahren werden. Erneuerbare Energien zählen dazu, denn ihre Erzeugung ist von externen Faktoren abhängig (Wind und Sonne).

Auf dem Strommarkt werden Preise durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Diese wiederum sind von mehreren Faktoren abhängig – etwa dem Klima, Jahreszeiten oder Verbrauchsverhalten. Dies hilft bei der Einhaltung der nötigen Balance im Stromnetz. Preise fallen bei schwacher Nachfrage, was den Erzeugern signalisiert, ihre Produktion zu drosseln und nicht das Stromnetz zu überlasten. Auf dem deutsch/österreichischen und dem französischen Markt und allen Intraday-Märkten der EPEX SPOT können die Preise jedoch auch unter null fallen.

Unter gewissen Umständen sind negative Preise ein gutes Mittel, mit plötzlicher Überversorgung umzugehen und dem Markt ein angemessenes Signal zu senden, ihre Produktion zu senken. In diesem Falle müssen Erzeuger ihre Kosten für ein Stoppen und erneutes Hochfahren ihrer Kraftwerke mit den Kosten vergleichen, die durch negative Preise entstehen (denn anstatt dass sie bezahlt werden, müssen sie nun selbst Geld bezahlen). Falls ihre Kraftwerke flexibel genug sind, werden sie für diese Dauer ihre Stromproduktion einstellen. Dies kann negative Preise auf dem Strommarkt verhindern oder abfedern und gespannte Situationen im Netz abmildern.

Sind negative Preise ein theoretisches Konzept oder erhält der Käufer für den Stromkauf tatsächlich Geld?

Negative Preise sind kein theoretisches Konzept. Käufer bekommen tatsächlich Strom und Geld vom Verkäufer. Jedoch akzeptieren Erzeuger in diesem Moment die negativen Preise, da diese nach ihrer Rechnung günstiger sind als ein Abschalten und erneutes Hochfahren ihrer Kraftwerke.

Wie oft tauchen negative Preise auf?

Negative Preise sind ein vergleichsweise seltenes Phänomen, da mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten müssen. Dennoch sind sie nicht ungewöhnlich. In Deutschland, wo unflexible Stromerzeugung durch den starken Zubau von Erneuerbaren steigt, wurden im Jahr 2012 an 15 Tagen in 56 Stunden negative Preise auf dem deutschen Day-Ahead-Markt registriert. Auf dem Intraday-Markt wurden negative Preise in 41 Stunden an zehn Tagen ermittelt. Wären diese Märkte nicht gekoppelt, würden negative Preise noch häufiger auftreten und Preisspitzen würden heftiger ausfallen.

Seit wann existieren negative Preise auf den Märkten der EPEX SPOT?

Negative Preise wurden 2008 auf dem deutsch/österreichischen Day-Ahead und 2007 dem deutschen Intraday-Markt eingeführt. 2010 wurden sie auf dem französischen Day-Ahead- und Intraday-Markt eingeführt. Der österreichische und der Schweizer Intraday-Markt, gestartet 2012 bzw. 2013, erlauben ebenfalls die Möglichkeit zu negativen Preisen.

Gibt es Preisgrenzen für negative Preise? Falls ja, warum?

Ja. Es existieren Preislimits, die allerdings äußerst selten erreicht werden. Sie sind eine wirtschaftlich sinnvolle Schranke für den Stromhandel.

Leiden Erzeuger nicht sehr unter negative Preisen?

Nein. Negative Preise sind ein Signal, ein Indikator für Marktteilnehmer. Wenn Erzeuger sich dazu entscheiden, ihre Stromproduktion weiterlaufen zu lassen, haben sie errechnet, dass dies die wirtschaftlich beste Lösung für sie ist. Andernfalls müssten sie ihre Anlagen abschalten und wieder hochfahren – auch das kostet teilweise viel Geld und Zeit.

Zudem sind negative Preise ein Anreiz für Erzeuger, in die Entwicklung flexiblerer Kraftwerke zu investieren, die effizienter auf fluktuierende Energiequellen reagieren können, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen und negative Preise zu verhindern.

Gibt es Wege und Mittel, negative Preise abzufedern oder zu verhindern?

Liquidität – basierend auf breitem Angebot und breiter Nachfrage – ist der Schlüssel gegen negative Preise. Hier kommt grenzüberschreitender Handel ins Spiel. Auf dem Day-Ahead-Markt bietet die Marktkopplung eine Lösung für die optimale Nutzung von grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten zwischen zwei oder mehr Märkten. Dank der Markkopplung in Nordwesteuropa (welche Deutschland, Frankreich, die Benelux-Staaten, Grossbritannien, die nordischen und die baltischen Staaten umfasst) werden negative Preise abgefedert oder verhindert. Zum Beispiel importieren Frankreich, Dänemark, Schweden und die Benelux-Staaten dann Strom aus Deutschland, sollte der Preis dort niedriger sein. Das geschieht so lange, bis die Preise konvergieren – oder die Übertragungskapazität voll ausgeschöpft sind.

Auf dem Intraday-Markt kann das Handelssystem ComXerv grenzüberschreitende Kapazitäten optimal ausnutzen und auf diese Weise die Preisvolatilität eindämmen. Dies hilft auch bei der Vermeidung negativer Preise. In der Folge ist die „Qualität“ der negativen Preise sowohl auf dem Day-Ahead- als auch auf dem Intraday-Markt heute anders: 2009 etwa, vor dem Beginn des Integrationsprozesses der Märkte, erreichten sie noch -1500 €, was heute nicht mehr der Fall ist.

Profitieren die Endverbraucher von negativen Preisen?

Preise auf dem Strommarkt spiegeln Fundamentaldaten und die Bewegung von Angebot und Nachfrage wider. Strombörsen wie EPEX SPOT liefern den Handelsteilnehmern ein transparentes und verlässliches Preissignal. Bitte kontaktieren Sie Versorger bezüglich der Frage, ob niedrige oder negative Preise im Großhandel einen Einfluss auf die Preise für Endkunden haben.

Haben negative Preise einen Effekt auf die Stromnetze?

Negative Preise sind ein Signal für angespannte Situationen im Stromsystem. Bitte kontaktieren Sie die Netzbetreiber für nähere Informationen zu den Effekten auf das Stromnetz.

 
 

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